Modul 3 - Session 1
1Einführung & Lernergebnisse
HTMLOrganisatorische Aspekte – Willkommen zu Sitzung 1
In dieser Sitzung stellen wir die sechs zentralen organisatorischen Bereiche vor, die berücksichtigt werden müssen, und erkunden, wie sie in einer PLG durch Informationsinput, praktische Übungen und Reflexionsgelegenheiten angegangen werden können. Wir beginnen mit zwei Zitaten …
Zitat 1:
„Wer jeden Morgen die Geschäfte des Tages plant und diesem Plan folgt, trägt einen Faden in sich, der ihn durch das Labyrinth des hektischen Lebens führen wird.“ Victor Hugo (in Maxwell, 2000, S. 182)
Zitat 2:
„Ein guter Plan ist wie eine Straßenkarte: Er zeigt das endgültige Ziel und meist auch den besten Weg dorthin.“ (H. Stanley Judd, aus dem englischen Original übersetzt)
Diese beiden Zitate betonen die Bedeutung organisatorischer Aspekte für die Arbeit im Allgemeinen und weisen darauf hin, dass ihr angemessener Umgang zum Erfolg beiträgt. Sie lassen sich auf den Ansatz der PLG-Arbeit beziehen. In PLGs liegt den Teilnehmenden sehr viel an tiefer Reflexion und der Entwicklung neuer Ideen für ihre praktische Arbeit. Indem die Gruppe auch organisatorische Aspekte berücksichtigt, unterstützt sie ihre eigene Zusammenarbeit. Wenn organisatorische Aspekte bewusst geplant werden – zum Beispiel, indem die Gruppe Strukturen hinsichtlich Zeit, Besprechungen und Abläufen festlegt und das Festhalten von Ergebnissen und Erfolgen vorausplant –, sind einige Entscheidungen für die Mitglieder später im Prozess bereits getroffen und müssen nicht mehr besprochen werden. Wenn eine Gruppe auf organisatorische Aspekte achtet, stellt sie sicher, dass Ablenkung, ineffizienter Austausch oder unangenehme Situationen reduziert werden.
2Überblick über die organisatorischen Aspekte von PLGs
HTMLDas nachfolgende Tortendiagramm zeigt alle zu bedenkende Aspekte der organisationalen Dimension. Es setzt sich aus sechs Bereichen zusammen.
3Beschreibung der organisationalen Aspekte von PLGs
HTMLBeschreibung des Tortendiagramms:
1. Zeitmanagement: Im Rahmen des Zeitmanagements konzentriert sich die Gruppe darauf, Zeit effektiv zu nutzen, das heißt, so sparsam wie möglich und mit dem größtmöglichen Nutzen für alle in der vorgesehenen Zeit zu arbeiten. Dies wird sichergestellt, indem die Sitzungen grundsätzlich vorstrukturiert sind und eine Agenda jeweils einen Überblick gibt, was genau zu erwarten ist. Zeitlich einen grundsätzlich feststehenden Rahmen zu haben, unterstützt die Mitglieder, diszipliniert und konzentriert zusammenarbeiten, weil alle wissen, wie verfahren wird und nicht wegen Unklarheiten diskutiert werden muss.
2. Raum & Materialien: Die Vorbereitung des Raums und des Materials stützt als äußere Strukturierung die PLG darin, den Fokus auf die inhaltlichen Themen setzen zu können. Es werden hierüber weitere Rahmenbedingungen geschaffen, die für die Zusammenkunft relevant sind und erlauben, die Zeit für den eigentlichen Austausch zu nutzen. Über den Raum wird die Qualität des Austauschs und die Teilhabemöglichkeit aller am Gespräch mitgesteuert. Auch Wohlfühlaspekte werden mit der Raumgestaltung erzeugt, wenn er einladend gestaltet wird. Das Material wiederum transportiert Klarheit im Ablauf und in Aufgaben, lädt zum Mitwirken ein und erlaubt auf verschiedene Arten zu interagieren.
3. Externe & interne Kommunikation: Organisationale Absprachen beziehen sich auch darauf, wer außerhalb der Gruppe über welche Aspekte aus dem Gruppengeschehen Bescheid bekommt und wie die Gruppe ihren Austausch innerhalb der PLG grundlegend gestalten will. Dazu wird geklärt, wer für den Kontakt mit der Gruppe anzusprechen ist oder auch welche Infos nach außen kommuniziert werden dürfen und was vertraulich zu behandeln ist. Die Organisation von Kommunikation enthält auch, vorab zu entscheiden, wer worüber informiert werden muss und über welche Wege sowie gemeinsam zu entscheiden, wieviel man von sich als PLG präsentiert.
4. Arbeitsmethoden: Die Aktivitäten, die gezielt für die PLG-Arbeit genutzt werden, können vielfältig sein, setzen jedoch zunächst immer einen spezifischen Rahmen, in dem man zusammenarbeitet und sich austauscht. Unterschiedliche methodische Arrangements helfen beispielsweise dabei, in schnellen und vielfältigen Gesprächskontakt zu kommen, zeitliche Rahmen zu erkennen, spontan Themen miteinzubeziehen, ohne die eigentlichen zu verlassen oder auch Themen visuell zu sortieren/zu ordnen. Arbeitsmethoden ermöglichen Flexibilität und Abwechslung, solange sie gezielt, das heißt, passend zum Anliegen ausgewählt sind. Es gibt in einer PLG auch grundlegende Arbeitsmethoden, die in jeder Sitzung vorkommen.
5. Prozessqualität: Auch über organisationale Aspekte kann man die Prozessqualität einer PLG unterstützen. Zunächst einmal dadurch, dass man die ‚Vogelperspektive‘, also die Metakommunikation dauerhaft mit einrichtet. Über diese überwachen bzw. prüfen die Mitglieder ihre eigenen Entwicklungen und überschauen den Austauschprozesses im Ganzen. Außerdem helfen solche Monitoring-Elemente Ziele zu setzen, diese in planvolle Schritte zu übersetzen und letztlich zu überprüfen, ob sich Erfolge wie erhofft eingestellt haben. Für diese beobachtenden Schritte bieten sich Verfahren an, die regelmäßig zum Einsatz kommen.
6. Dokumentation: Weil PLGs längerfristig angelegt sind und man immer wieder nach einer Weile außerhalb in der Gruppe zusammenkommt, stellt die Dokumentation des Erarbeiteten und Vereinbarten eine wichtige Stütze der Erinnerung dar. Organisationale Elemente wie konkrete Dokumentationsweisen und Archivierungen, Austauschwege und schnelle Weitergabemodi sind relevant für eine hürdenfreie Zusammenarbeit und ein tatsächlicher Austausch schriftlichen, in Bildern festgehaltenen Wissens neben dem mündlichen Wissen. Sie helfen auch, schnell beim nächsten Zusammenkommen wieder im Thema zu sein. Auch aufgrund der Möglichkeit digitale Tools einzusetzen, kann die Dokumentation gründlich und dennoch zeitsparend verlaufen.
4Wichtig zu wissen 💡
HTML💡
Die Aspekte der jeweiligen Teilelemente der organisationalen Dimension schließen sich nicht gegenseitig aus. Vielmehr überschneiden sich die Organisationselemente teilweise bzw. knüpfen direkt aneinander an. Für eindeutige Lern- und Reflexionsschritte und damit einer vereinfachten Orientierung folgen wir der vorgenommenen Unterscheidung. Wenn Sie mit einer PLG zu arbeiten beginnen oder sich mit einer PLG über organisatorische Aspekte im Laufe der gemeinsamen Zeit Gedanken machen, finden sich ausgearbeitete Aktivitäten, die eigens für die gemeinsame Abstimmung organisationaler Aspekte entwickelt wurden. Sie liegen ähnlich einer Sitzungsanleitung vor und können von der Moderator:in direkt mit einer Gruppe angewendet werden. Gegebenenfalls kann eine Gruppe sie auch in Eigenregie und ohne Facilitation entlang der Anleitung durchführen. Diese Aktivitäten entstanden ebenfalls im Projekt LeaFaP und ergänzen das Training.Die Aktivitäten beanspruchen zur Durchführung ca. 1,5-2 Zeitstunden. Sie umfassen mehrere Teilaufgaben, in denen die Gruppe ihren aktuellen Stand zur Frage der organisationalen Ausprägungen betrachtet, analysiert und Verbesserungen durchdenkt und aktiv angeht. Weiter stehen Arbeitsblätter und Übungsvorlagen zur Verfügung.
5Weitere Aktivitäten auf unserer Website
HTML1. Die erste Aktivität im Bereich der organisationalen Dimension kann von einer PLG praktiziert werden, die bereits ein paar Sitzungen aktiv, aber noch am Anfang ihrer Entwicklung ist, oder in einer PLG, die sich noch nie dazu Gedanken gemacht hat, egal wie lange sie schon kooperiert.
https://www.leafap.eu/wp-content/uploads/2025/07/07/12_Organisational_German.pdf
2. Die zweite Aktivität kann dann eingesetzt werden, wenn die Gruppe ihre Vorhaben zur organisationalen Dimension geplant und einige Sitzungen umzusetzen versucht hat. Hier wird dann über die Umsetzung reflektiert.
https://www.leafap.eu/wp-content/uploads/2025/06/13_Organizational_German.pdf
6Aspekte: Zeit/Raum & Material
HTMLZeit & Raum/Material
Wenn es um die Durchführung einer PLG-Besprechung geht, gibt es viele Details, die berücksichtigt werden müssen. Dazu gehört sowohl die innere als auch die äußere Struktur der Sitzung. Deshalb müssen Sie vorbereitet sein. Die erste Übung konzentriert sich auf grundlegende Überlegungen für eine PLG-Sitzung und hebt Aspekte hervor, die sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Moderation der Besprechung wesentlich sind. Im Folgenden ein Gespräch zwischen zwei PLG-Mitgliedern, die sich nach einer PLG-Sitzung unterhalten und unzufrieden damit waren, wie sie verlief. Hören Sie sich die Audiodatei an und überlegen Sie, wie Sie mit der Situation umgehen würden. Sie können die Datei pausieren und währenddessen Notizen machen.
7Audio 1: Hören Sie ein Gespräch direkt nach einer PLG-Sitzung
M4A8Probleme lösen ✏️
HTML✏️ Hören Sie sich den zweiten Dialog an und überlegen Sie, welche Ideen Sie anwenden können.
9Audio 2: Hören Sie ein Gespräch nach der Diskussion
M4A10Checkliste
HTMLCheckliste
11Vertiefung: Raum & Material
HTMLRaum & Material
Nachdem die zentralen Aspekte erörtert wurden, die für die Durchführung einer PLG-Sitzung von Bedeutung sind, richtet sich der Fokus nun auf den Sitzungsraum und dessen Ausstattung.
Mit diesem (oder einem ähnlichen) Ablauf vor Augen ist es hilfreich, für jede Sitzung die wesentlichen Materialien bereitzuhalten. Wir haben einen PLG-Sitzungsraum vorbereitet, in dem fünf farbige Rechtecke in Rot, Blau, Orange, Lila und Grün unterschiedliche Raumzonen kennzeichnen. Die Abbildungen zeigen unterschiedliche Arten von Materialien, die wir für den Einsatz in einer PLG-Sitzung in Betracht ziehen und die den jeweiligen Bereichen des Raumes zugeordnet sind. Selbstverständlich können diese Anregungen sowohl in einer PLG-Sitzung als auch in anderen Meeting-Situationen genutzt werden.
1. Der Platz der Moderation: Redeball, Uhr, Computer, Handy, Bilanzblätter
2. Der Sitzungstisch in der Mitte: Metaplankarten (in verschiedenen Farben), weißes Papier, Notizzettel, Agenda, Dokumentationsmaterial
3. Eine Flipchart-Wand an der Seite: Marker (in verschiedenen Farben), Klebepunkte, Plakate
4. Ein Beistelltisch: Wasserflaschen, Kaffeekanne, Kekse, Tassen/Gläser
5. Optionaler zweiter Tisch: Bücher, weiteres Material
Wie stellen Sie sich Ihren idealen Besprechungsraum vor?
↪ Welche Erkenntnisse oder Ideen aus dieser Sitzung werden Sie in Ihrer eigenen Gruppe umsetzen?
↪ Inwiefern spiegelt die von Ihnen gewählte Raumgestaltung Ihren Moderationsstil und die Ziele wider, die Sie mit der Gruppe erreichen möchten?
↪ Wie kann der Raum so gestaltet werden, dass er die Bedürfnisse und Beiträge aller Mitglieder widerspiegelt? Wie können der Raum und seine Gestaltung Zusammenarbeit und die Konzentration unterstützen?
12Aspekte: Interne/externe Kommunikation & Arbeitsmethoden
HTMLInterne/externe Kommunikation & Arbeitsmethoden
Der erste Abschnitt konzentriert sich auf zwei zentrale Aspekte: informationsbezogene und kontaktbezogene Kommunikation. Er skizziert, wie PLG-Mitglieder Informationen austauschen, Grundregeln aufstellen und auf respektvolle und produktive Weise miteinander interagieren.
Informationsbezogene Kommunikation
Im Allgemeinen müssen sich die PLG-Mitglieder über einige Aspekte einigen, die neben ihrer Absicht, über das Thema zu kommunizieren, auch kommunikative Verhaltensweisen im Umgang miteinander abstecken. Außerdem muss man sich darüber verständigen, an wen im Umfeld der Mitglieder was bekannt gegeben werden muss, soll und darf. Die Fragen lauten: Wer erhält welche Informationen, warum, wer ist Ansprechperson in welchen Fragen usw.?
Die Aufgabe der Moderator:in besteht darin, die Gruppe zu diesem Austausch anzuleiten, damit die Klärung nicht dem Zufall überlassen bleibt oder ungeklärte Aspekte Konflikte verursachen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, diese Aspekte zu Beginn oder nach den ersten paar Sitzungen zu klären. Dazu gehören nicht zuletzt auch Entscheidungen, die aufgrund des Datenschutzes gefällt werden müssen.
Im Folgenden die Leitfragen aus einer Checkliste:
· Wer muss darüber informiert werden, dass die PLG arbeitet …?
· Wer ist unsere Ansprechperson für außen …?
· Welche Datenschutzaspekte müssen wir beachten …?
· Wie gehen wir mit Vertraulichkeitserwartungen/persönliche Informationen über Personen um …?
· Wie wollen wir die Gruppe nach außen präsentieren …?
13Perspektive der Moderation in der PLG – Nummer 1
HTMLKontaktbezogene Kommunikation
Im zweiten Abschnitt werden Sie (1) untersuchen, wie informations- und kontaktbezogene Kommunikation die Zusammenarbeit innerhalb einer PLG beeinflusst und wie Sie sich dabei als Moderator:in positionieren. (2) Sie können die potenziellen Vorteile und Einschränkungen bestimmter Kommunikationsentscheidungen berücksichtigen.
1. Perspektive der Moderation in der PLG
„Spieglein, Spieglein an der Wand … was habe ich als Moderator:in in der Hand?“
Als Moderator:in haben Sie maßgeblich Einfluss darauf, wie vertrauensvoll und gemeinschaftlich eine PLG miteinander kommuniziert. Und als Moderator:in müssen Sie sich selbst klar werden, was für Sie wichtig ist, wie Sie gut arbeiten können, wie Sie angesprochen werden wollen, wie weit Sie sich öffnen, wie persönlich Sie sich zeigen oder welche Form der Hilfe Sie anbieten möchten.
14Sehen wir, wo Sie stehen 📍
HTMLReflexion – Schieberegler-Überblick
Selbstpositionierung
Bewegen Sie jeden Schieberegler dorthin, wo Sie derzeit stehen.
Optionale Notiz (für Sie selbst): Welche Muster bemerken Sie über Ihre Schieberegler hinweg?
15Perspektive der Moderation in der PLG – Nummer 2
HTMLNachdem sich die Moderator:in ihrer/seiner Vorlieben bewusst ist, steht an, dies mit den Bedürfnissen der PLG-Mitglieder abzustimmen. Dazu hilft es, zu reflektieren, welche Chancen und Grenzen eine bestimmte Kommunikationsentscheidung mitbringt. Die folgende Differenzierung liefert einige dazugehörige Informationen. Welche wählen Sie und warum?
Unten finden Sie einige Checklisten-Karten: Hier können Sie für sich selbst abhaken, was Sie bereits in die Praxis umsetzen und was Sie für die nächste Sitzung berücksichtigen möchten
16Checklist Karten
PNG
17Die Diskussion strukturieren
HTMLArbeitsmethoden
In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie Moderationskarten genutzt werden können, um die Themenentwicklung innerhalb einer PLG zu strukturieren. Sie unterstützen einen klaren und partizipativen Prozess, indem sie den Mitgliedern helfen, Ideen zu ordnen, Prioritäten zu setzen und gemeinsame Entscheidungen transparent zu treffen.
Strukturierung des Gesprächs mit Moderationskarten
Mit Moderationskarten zu arbeiten, ist eine der hilfreichen Formen, das Gespräch gut zu strukturieren und abschließend als Gesamtbild dokumentieren zu können. Nachfolgend zeigen wir typische Unterscheidungen, die die Moderator:in während des Gesprächs im Hinterkopf hat und durch entsprechende Auswahl an Moderationskarten ordnet. Die unten abgebildeten Karten stellen hierbei eine typische Abfolge der grundsätzlichen Schritte dar (Grunddifferenzierung) wie die Moderationskarten genutzt werden. Darüber hinaus zeigen wir in einem Erklävideo, wie dies praktisch aussehen kann.
Die unten gezeigten Karten stellen eine typische Reihenfolge der grundlegenden Schritte (Grunddifferenzierung) für die Verwendung der Moderationskarten dar.
Ø Überschrift des gewählten Themas
Ø Praxisbeispiel
Ø Theoriebezug, den jemand äußert (wenn der Person das nicht klar ist, macht die Moderator:in an geeigneter Stelle darauf aufmerksam)
Ø Konzept, in das man die Überlegung einordnen kann
Ø Handlungsoption, die jemand vorschlägt
Ø Studienergebnis, von dem jemand gehört hat oder das von der Moderation benennt
Ø Thema, das zusätzlich aufkommt, aber vertagt werden muss (Themenspeicher)
Ø Handlungsoption, die jemand vorschlägt
📍 Außerdem zeigt ein kurzes Erklärvideo, wie das in der Praxis funktioniert
18Video: Die Diskussion mit Moderationskarten strukturieren
MP419Hinweis 💡
HTML💡
Es wird empfohlen, dass die Moderation in einer metakommunikativen Weise erklärt, wie besonders wichtige Beiträge oder neue Farben/Formen eingesetzt werden, um den Mitgliedern Einblick in das Vorgehen zu geben. Zunächst ein Foto von weitgehend abgeschlossenen Diskussionskreisen zu machen und diese anschließend beiseitezulegen, um die Tischmitte freizuräumen (oft in Verbindung mit einer kurzen Pause), trägt ebenfalls dazu bei, den Überblick zu behalten.
20Aspekte der Prozessqualität und Dokumentation
HTMLAspekte der Prozessqualität und Dokumentation
Prozessqualitäten
Eine wichtige prozessbezogene Perspektive ist neben jenen, die einzelne Sitzungen strukturieren, jene auf die größeren Meilensteine, die eine PLG über Sitzungen hinweg erreicht. Hierzu gibt es zunächst einige wenige Schritte, mit Hilfe derer man einen Bogen über ein PLG-Leben schlagen kann. Als grobe Schrittfolge wären dies: Findungsphase, Einübung, Festigung, wobei Phasen nicht streng voneinander abzugrenzen sind, also manchmal eine Gruppe schon in der nächsten Phase zu sein scheint, dann aber auch nochmal Handlungen zeigt, die man eher zur Phase davor zurechnen würde.Übergeordnet betrachtet bezieht sich die Prozessqualität einer PLG auf deren innere und äußere Strukturen, deren fachliche und persönliche Zusammenarbeit sowie auf Einzelebene deren professionelle Entwicklung, aber auch Transferbemühungen in die eigene Praxis. Bedeutend ist neben den individuellen bzw. den thematischen Zielen der PLG die Perspektive, dass die PLG-Entwicklung und Etablierung als Prozess betrachtet wird, den es zu begleiten, aber auch zu evaluieren, gilt.
📌Auf Grundlage von Bouchamma et al. (2020) zeigen wir exemplarisch die typischen Prozessphasen einer PLG. Dafür skizzieren wir die Inhalte wie folgt. Die folgende Darstellung fasst die wichtigsten Aspekte in kompakter Form zusammen.
213 Prozessphasen einer PLG
HTML22Erläuterung des 3-Phasen-Prozessmodells
HTMLPhase 1: Initiierung
- Entscheidung für die PLG
- Aushandlungsprozesse durchlaufen
- Die Bedingungen für die PLG definieren (regelmäßige Sitzungen, Zeitplan)
- Klärung von (individuellen) Themen und Herausforderungen
Phase 2: Umsetzung
- Kennenlernen neuer Lern- und Arbeitsformen (Austausch der Mitglieder/Moderation, ‚Abschauen‘ von Beispielen der anderen)
- Übernahme neuer Arbeitsmethoden
Phase 3: Institutionalisierung (Integrationsphase)
- Die PLG ist als stabiler und eigenständiger Bestandteil in die Organisation integriert.
- Geteilte Werte, Normen und kollektive Verantwortung sind fest in der täglichen Praxis verankert.
- Die Mitglieder zeigen eine kontinuierliche, forschungsorientierte Haltung gegenüber beruflichem Lernen und Weiterentwicklung.
23Reflexionsfragen
HTMLNun können Sie sich die folgenden Reflexionsfragen stellen oder darüber nachdenken:
Phase 1: Initiierung
Für diejenigen, die bereits eine PLG haben:
↪ Wie klar wurden zu Beginn unserer PLG die Ziele, Rollen und Rahmenbedingungen definiert?
↪ Inwieweit wurden die Interessen und Bedürfnisse aller Mitglieder während der Initiierungsphase berücksichtigt?
↪ Was hat in der Anfangsphase der PLG dazu beigetragen, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung aufzubauen?
Für diejenigen, die noch keine PLG haben:
↪ Welche Themen oder Herausforderungen in meinem beruflichen Kontext wären geeignet, um eine PLG zu etablieren?
↪ Welche Rahmenbedingungen (Zeit, Struktur, Unterstützung) wären erforderlich, um eine PLG erfolgreich zu starten?
↪ Wer in meiner Organisation könnte Interesse an der Teilnahme an einer PLG haben, und aus welchem Grund?
Phase 2: Umsetzung
Für diejenigen, die bereits eine PLG haben:
↪ Wie effektiv integrieren wir neue Lern- und Arbeitsansätze in unsere Praxis?
↪ Welche Faktoren fördern oder behindern den offenen Austausch unter den Mitgliedern?
↪ Wie nutzen wir Beispiele und Erfahrungen anderer als Inspiration für unsere eigene Entwicklung?
Für diejenigen, die noch keine PLG haben:
↪ Welche Formen des professionellen Austauschs nutze ich derzeit, und wie könnten sie systematischer gestaltet werden?
↪ Wie könnte ich mit neuen Arbeits- oder Lernansätzen experimentieren, die eine künftige PLG unterstützen würden?
↪ Welche Formen von Unterstützung (z. B. Moderation, Zeit, digitale Werkzeuge) würden mir helfen, kollaborative Lernprozesse zu initiieren?
Phase 3: Institutionalisierung (Integrationsphase)
Für diejenigen, die bereits eine PLG haben:
↪ Wie lässt sich feststellen, dass unsere PLG vollständig in den Arbeitsalltag und die Organisationskultur integriert ist?
↪ Wie stellen wir sicher, dass geteiltes Wissen tatsächlich angewendet wird und sichtbare Auswirkungen erzielt?
↪ Welche Strukturen tragen dazu bei, dass unsere PLG langfristig lebendig, produktiv und lernorientiert bleibt?
Für diejenigen, die noch keine PLG haben:
↪ Wie würde eine nachhaltig funktionierende PLG in meiner Organisation aussehen?
↪ Welche Werte, Normen oder Routinen müssten sich ändern, damit kollaboratives Lernen zur Selbstverständlichkeit wird?
↪ Wie könnte die Verantwortung für die gemeinsame Weiterentwicklung nachhaltig verankert werden?
24Dokumentieren 📝
HTMLDokumentation
Wenn man sich aus Sicht der Moderator:in mit der Dokumentation beschäftigt, ist es gut, zunächst Innenschau zu halten und sich zu beschäftigen, welches eigentlich Fragen sind, die man sich stellen kann, wenn man über Dokumentation in der PLG nachdenkt. Dafür gibt es unterschiedliche Anhaltspunkte, wie die der Prozesse, in denen die PLG gerade steckt, die Dokumentation selbst, also dem Festhalten, und der Evaluation von Ergebnissen und damit auch welche Formen, Methoden und Medien dafür genutzt werden. Letztlich geht es um die Verantwortung für die Qualität der PLG.
Dokumentation in der PLG meint nicht nur ein Protokoll zu erstellen oder mitzuschreiben und Dokumente abzuheften, sondern beinhaltet u.a., dass:
• Lern- und Entwicklungsbereiche aufgerufen werden können.
• die Mitglieder gestützt werden in der Planung und Umsetzung von Vorhaben sowie deren Überprüfung.
• zur besseren Vorbereitung leicht zugänglich sowohl auf die letzte Sitzung zurückgeblickt werden kann, aber auch auf die aktuelle/kommende.
• leichter thematisch in der nächsten Sitzung anzuknüpfen ist.
• Erkanntes, Erlerntes und Erprobtes im Alltag besser festgehalten und nachgelesen werden kann.
• Informationen, Aktuelles und Planungen in die PLG getragen werden können.
• verschiedene Dokumentationsformen zu kennen/kennenzulernen und diese einmal für sich zu sortieren, auszuprobieren und im eigenen Alltag zu verstetigen.
• Aufgaben zu strukturieren, Aufgabenverteilungen transparent zu machen und Wissensmanagement zu initiieren.
25Schwarzes Schaf – Einführung & Aufgabe
HTML
26Schwarzes Schaf
HTML27Schwarzes Schaf – Erläuterung
HTMLAuflösung – Bildbeschreibungen:
Bild 1: Ein klar gegliedertes Protokoll für alle mit Überschriften, Tagesordnungspunkten und Datum, verteilten Arbeitsaufträgen und Festlegung der nächsten Termine.
Bild 2: Aktionsplan (Action Plan), der vollständig ausgefüllt ist, keine Angabe ist offen. Nur durchdachtes und dokumentiertes kann überprüft werden; was letztlich auch zum Erfolg beiträgt.
Bild 3: Ein Flipchart mit einem geordneten Ablaufplan, große, leserliche Schrift, verschiedene Farben zur Strukturierung und Ersatzeddings.
Bild 4: PLG-Ordner, aufgeklappt mit Register: alle Dokumente haben einen zugeordneten Platz. Das Register gibt Struktur und es geht nichts verloren. Darüber hinaus kann dieser in einer Signalfarbe oder durch ein Muster personalisiert werden, um ihn schnell wiederzufinden.
Bild 5: Gemeinsamer digitaler Workingspace (online Arbeitsfläche wie z.B. Trelloboard) ist übersichtlich, aktuelle Veranstaltungen und Informationen werden angezeigt, unterschiedliche Farben werden verwendet (sind als Legende nachzulesen welcher Systematik sie folgen).
Bild 6: Eine unleserliche Mitschrift auf einem Zettel oder wild vollgekritzeltes Papier, ohne erkennbaren Aufbau – chaotisch, überladen oder unvollständig (Datum fehlt, keine Zuordnung der Inhalte).
Bild 7: Eigener Arbeitsplatz bzw. die Vorbereitung auf die Sitzung ist hier sehr übersichtlich und spärlich. Es ist lediglich ein Blatt Papier, das aber schon teils beschriftet ist und es liegt ein Bleistift daneben.
Bild 8: PLG-Tagebuch. Ein kleines Buch oder ein A5 Block kann im Alltag als Dokumentationshilfe genutzt werden. Einfälle, Infos, AHA- oder OHA-Momente sind dort schnell notiert und können problemlos nachgelesen werden.
Bild 9: Notizkärtchen mit verschriftlichten Inhalten der PLG-Sitzung für alle zur (visuellen) Mitverfolgung und um Fotos für das Protokoll zu machen.
28Ende von Session 1
HTML🎉
Hiermit sind Sie am Ende der Lernschritte zur organisationalen Dimension für die Begleitung und Moderation einer PLG. Sie finden nachfolgend die von uns verwendeten Quellen, Tipps zum Weiterlesen sowie einige Fragen zur Selbstreflexion.
Die beiden Sessions 2 und 3 widmen sich der digitalen Dimension von PLG; daran anschließend bieten wir mit der Session 4 ein Angebot zum Wissenscheck und zur Selbstreflexion zu beiden Dimensionen.
29Weiterführende Lektüren
HTMLWeiterführende Lektüren
Bouchamma, Y., Basque, M., Giguère, M. & April, D. (2020). Professional Learning Communities. Competency standards for school principals. Québec, QC: Hermann/Presses de l’Université Laval.
Huffman, J.B. & Hipp, K.K. (2003). Professional learning community organizer. In J.B. Huffman and K.K. Kipp (Eds.), Reculturing schools as professional learning communites. Lanham, MD: Scarecrow Education.
Judd, S. H. (unbekannt) goodreads. Verfügbar unter: https://www.goodreads.com/quotes/8177249-a-good-plan-is-like-a-road-map-it-shows (12.08.2025)
Kansteiner, K., Welther, S., & Schmid, S. (2023). Professionelle Lerngemeinschaften für Schulleitungen und Lehrkräfte. Chancen des Kooperationsformats für Schulentwicklung und Professionalisierung. Weinheim: Beltz. https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungswissenschaft/produkte/details/48917-professionelle-lerngemeinschaften-fuer-schulleitungen-und-lehrkraefte.html
Kansteiner, K. & Welther, S. (2025). Praxishandbuch Professionelle Lerngemeinschaften in Kita und Kita-Grundschul-Kooperationen. Weinheim: Beltz Juventa. www.beltz.de/978-3-7799-8663-8
Maxwell, J.C. (2000). Failing Forward. Turning Mistakes Into Stepping Stones for Success. Nashville: HarpersCollins Leadership.
30Was denken Sie? Rückblick auf die Sitzung
HTMLReflexion
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Ich kenne alle wichtigen organisationalen Aspekte einer PLG und weiß, worauf dabei zu achten ist.
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Ich nehme wertvolle neue Ideen für die Organisation meiner (zukünftigen) PLG mit.
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Ich bin in der Lage, Kolleg:innen oder an PLGs interessierte Praktiker:innen bei der Organisation von PLGs zu unterstützen.
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Ich weiß bereits, was ich anpassen oder verändern kann, um meine (zukünftige) PLG besser zu organisieren.
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Ich weiß, wo ich weitere Materialien und Aktivitäten zur Organisation von PLGs finden kann.