Modul 1 - Session 1

1Einführung

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1. Einführung 

Diese Session konzentriert sich auf die relationale Dimension von Professionellen Lerngemeinschaften (PLGs). Hauptziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, die interpersonellen und moderativen Fähigkeiten zu entwickeln, die erforderlich sind, um kollaborative, vertrauensbasierte Teams aufzubauen und aufrechtzuerhalten. 

Der Aufbau starker Beziehungen in einer PLG ist essenziell, da Zusammenarbeit ohne psychologische Sicherheit, Empathie und gegenseitigen Respekt nicht gedeihen kann. Als Moderator:in müssen Sie lernen, mit Emotionen und Konflikten konstruktiv umzugehen, gleichberechtigte Beteiligung zu fördern und ein gemeinsames Zielbewusstsein unter den Mitgliedern zu entwickeln. 

Die Ziele dieser Session sind: 

  • Ihre Fähigkeit zum empathischen aktiven Zuhören zu entwickeln und dabei die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) als zentrales Instrument zur Stärkung von Dialog und Gruppenbindung zu nutzen.
  • Robuste relationale Dynamiken zu kultivieren, die Zusammenarbeit durch Empathie, Bewusstsein, Vertrauen und eine gemeinsame Vision innerhalb der PLC unterstützen.
  • Ihre Moderations- und Führungskompetenzen zu stärken, um gleichberechtigte Beteiligung zu fördern, sicherzustellen, dass alle Stimmen wertgeschätzt werden, und andere zu kollektivem Lernen sowie gegenseitiger Verantwortung zu führen. 

2Lernergebnisse

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Am Ende dieser Session werden Sie: 

  • Kompetenz im Aufbau und in der Aufrechterhaltung positiver Beziehungen innerhalb einer PLG entwickelt haben, basierend auf Vertrauen, Empathie und Respekt. 
  • Ihre Kommunikationsfähigkeiten durch empathisches Zuhören und die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation gestärkt haben und dadurch die Qualität des Dialogs und der Zusammenarbeit in Ihrer PLC verbessert haben. 
  • Ihre Fähigkeit gestärkt haben, gleichberechtigte Beteiligung zu moderieren und eine gemeinsame Vision zu fördern, die kollektives Lernen unterstützt.  

📍 Das zentrale Lernergebnis dieser Session besteht darin, Ihnen zu helfen, ein relationales Klima zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in dem Mitglieder Ihrer PLG effektiv zusammenarbeiten, empathisch kommunizieren und gegenseitiges Vertrauen aufbauen.

3Lernen

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2. Lernen 

In diesem Abschnitt werden Sie an einer Reihe von Aktivitäten teilnehmen, die darauf abzielen, Ihr Verständnis von empathischem Zuhören im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) zu vertiefen. 

Sie beginnen mit ausgewählten Auszügen aus „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“ (Marshall B. Rosenberg), die typische Kommunikationsmuster veranschaulichen, welche Mitgefühl blockieren. Diese Lektüren laden Sie dazu ein, Ihre eigenen Gesprächsgewohnheiten zu reflektieren und Möglichkeiten für einen bewussteren und empathischeren Dialog zu erkennen. 

Anschließend nehmen Sie an interaktiven und angeleiteten Praxisübungen teil, die diese Ideen mit realen Moderationssituationen in Professionellen Lerngemeinschaften (PLGs) verbinden. Während dieses Moduls haben Sie Zugang zu unterstützenden Materialien, Leitfragen und praktischen Beispielen, die Ihnen helfen, die Prinzipien der GFK anzuwenden, um Beziehungen zu stärken, Verständnis zu verbessern und kollaboratives Wachstum in Ihren Teams zu fördern.  


Lesen und Reflexion: Kommunikation, die Mitgefühl blockiert

In diesem ersten Teil beginnen Sie zu erkunden, wie bestimmte Kommunikationsgewohnheiten – wie Urteile, Schuldzuweisungen und die Verleugnung von Verantwortung – Empathie und Verbindung innerhalb von Teams und Professionellen Lerngemeinschaften (PLGs) blockieren können. 

Durch ausgewählte Auszüge aus „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“ (Marshall B. Rosenberg) reflektieren Sie darüber, wie Alltagssprache Beziehungen prägt, und entdecken Möglichkeiten, einen bewussteren, mitfühlenderen Dialog in Ihrem professionellen Kontext zu entwickeln. 

4Zu moralisierenden Urteilen

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"Eine Form lebensentfremdender Kommunikation ist der Gebrauch moralisierender Urteile, die Menschen, die nicht im Einklang mit unseren Werten handeln, Falschheit oder Schlechtigkeit zuschreiben. […] Ich bin überzeugt, dass alle derartigen Analysen anderer Menschen tragische Ausdrucksformen unserer eigenen Werte und Bedürfnisse sind. Sie sind tragisch, weil wir, wenn wir unsere Werte und Bedürfnisse in dieser Form ausdrücken, Abwehr und Widerstand gerade bei den Menschen verstärken, deren Verhalten uns Sorge bereitet.” (Marshall B. Rosenberg, Kapitel 2) 

💡 Denken Sie an Ihre Interaktionen als PLG-Moderator:in:

  • Wann haben Sie bemerkt, dass moralisierende Urteile in der Teamkommunikation auftauchen?
  • Wie könnte das Erkennen der Bedürfnisse, die hinter diesen Urteilen liegen, den Ton des Dialogs verändern und größeres Verständnis fördern?

5Zur Verleugnung von Verantwortung

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„Wir sind gefährlich, wenn wir uns unserer Verantwortung für unser Verhalten, Denken und Fühlen nicht bewusst sind. […] Je besser wir unsere Gefühle mit unseren eigenen Bedürfnissen verbinden können, desto leichter fällt es uns, Verantwortung zu übernehmen, statt andere zu beschuldigen.”  (Marshall B. Rosenberg, Kapitel 2) 

💡 Reflektieren Sie eine aktuelle Situation in Ihrer PLG oder in Ihrem beruflichen Kontext, in der Uneinigkeit oder Spannung entstand:

  • Wie hat das Übernehmen – oder Nicht-Übernehmen – von Verantwortung für Ihre eigenen Emotionen und Handlungen den Ausgang dieser Interaktion beeinflusst
  •  Was hätte sich verändern können, wenn alle Mitglieder ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse anerkannt hätten

6Zu den Wurzeln lebensentfremdender Kommuninkation

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„An der Wurzel vieler, wenn nicht aller Formen von Gewalt – ob verbal, psychologisch oder physisch – liegt eine Denkweise, die die Ursache von Konflikten der Falschheit des Gegenübers zuschreibt, sowie die Unfähigkeit, sich selbst oder andere in Begriffen von Verletzlichkeit zu betrachten – also dessen, was jemand möglicherweise fühlt, fürchtet, ersehnt oder vermisst.”  (Marshall B. Rosenberg, Kapitel 2) 

💡 Reflektieren Sie dazu Ihre eigene Haltung und Perspektive als Moderator:in:
  • Was bedeutet es für Sie als Moderator:in in der Praxis, „andere in ihrer Verletzlichkeit zu sehen“? 
  • Wie könnte die Übernahme dieser Perspektive Ihre Herangehensweise an Meinungsverschiedenheiten, Spannungen oder emotionale Reaktionen in Ihrer PLC verändern? 
  •  Inwiefern könnte dieser Perspektivwechsel Vertrauen und Verbundenheit unter den Mitgliedern stärken? 

7Von der Reflexion zur Praxis: Kommunikationsmuster erkennen

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8Emphatischen Dialog praktizieren

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Nachdem Sie die zentralen Kommunikationsmuster identifiziert haben, die Empathie blockieren, wenden wir uns nun einer praktischeren Erkundung zu, wie empathischer Dialog in realen Situationen angewendet werden kann. 
Bevor Sie mit der praktischen Übung beginnen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um dieses kurze Video anzusehen, das die zentralen Ideen aus Marshall Rosenbergs Gewaltfreier Kommunikation einführt


📍 Das Video ist in englischer Sprache. Für deutsche oder andere Untertitel öffnen Sie bitte den folgenden Link und wählen Sie die für Sie passende Sprache aus:
Video öffnen

Nach dem Ansehen des Videos erinnern Sie sich daran, wie Rosenberg die vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation erklärt und wie Empathie die Qualität des Dialogs verändert. Behalten Sie diese Prinzipien für die Übung im Hinterkopf. 

Arbeiten Sie allein oder – wenn möglich – mit einer Partnerin oder einem Partner. Stellen Sie sich eine typische berufliche Situation in Ihrer PLC vor

Eine Kollegin oder ein Kollege erscheint wiederholt unvorbereitet zu den Teamtreffen. Sie fühlen sich frustriert, weil die Zeit der Gruppe begrenzt ist. 

 

Verfassen oder sprechen Sie mithilfe von Rosenbergs Modell beide Seiten des Gesprächs anhand folgender Schritte

1.     Beobachtung: Beschreiben Sie, was geschehen ist, ohne zu urteilen oder zu bewerten. 

2.     Gefühle: Drücken Sie aus, wie Sie sich als Reaktion auf Ihre Beobachtung fühlen. 

3.     Bedürfnisse: Benennen Sie die unerfüllten Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen. 

4.     Bitte: Formulieren Sie eine klare, respektvolle Bitte, die die Zusammenarbeit verbessern.


(Beispiel: „Wenn die Materialien zu Beginn unseres Treffens nicht vorbereitet sind, fühle ich mich angespannt, weil mir eine effiziente Nutzung unserer Zeit wichtig ist. Wärst du bereit, sie beim nächsten Mal im Voraus mit uns zu teilen?”) 


Reflektieren oder teilen Sie anschließend (im Forum, Chat oder einer schriftlichen Notiz): 

  • Welcher der vier Schritte fühlte sich für Sie am natürlichsten an? Welcher war am schwierigsten? 
  • Welche Bedingungen helfen Ihnen, in Konfliktsituationen empathisch und selbstreflektiert zu bleiben? 
  • Bedeutet Empathie, Ärger zu vermeiden, oder kann auch Ärger mit Mitgefühl ausgedrückt werden? 
  • Welche persönlichen Haltungen oder Fähigkeiten sind notwendig, um Rosenbergs Methode wirksam anzuwenden? 

9Wahrnehmungskreis-Tagebuch - GFK-Version

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Nachdem Sie die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) erkundet und geübt haben, sind Sie nun eingeladen, diese Ideen in Ihre eigene Professionelle Lerngemeinschaft (PLG) zu tragen. Die folgende Aktivität bietet ein Reflexionswerkzeug, das Ihnen helfen kann, Empathie und bewusste Kommunikation schrittweise in Ihre täglichen Interaktionen als Moderator:in zu integrieren.

Diese reflexive Praxis ist vom ursprünglichen Werkzeug des Wahrnehmungskreises inspiriert, hier angepasst anhand der vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation.

Indem Moderator:innen täglich einige Minuten darauf verwenden, zu beobachten, Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und mögliche Bitten zu erwägen, ersetzen sie automatische Reaktionen nach und nach durch bewusste, empathische Antworten.

                                                 Struktur der wöchentlichen Reflexion

Tag Schwerpunkt der Reflexion Leitfrage
Montag Beobachtung Was habe ich (ohne zu bewerten) in dem beobachtet, was während einer PLG-Interaktion zu mir gesagt wurde?
Dienstag Gefühle Welche Gefühle hat diese Kommunikation in mir geweckt?
Mittwoch Bedürfnisse (andere) Welche Bedürfnisse könnten hinter dem gestanden haben, was zu mir gesagt wurde?
Donnerstag Bedürfnisse (eigene) Welche meiner Bedürfnisse wurden während der Interaktion erfüllt oder nicht erfüllt?
Freitag Bitten Welche klare Bitte hätte ich äußern – oder empfangen – können, um Verbindung und Verständnis zu verbessern?

Nutzen Sie das Wahrnehmungskreis-Tagebuch über eine Woche Ihrer PLG-Arbeit hinweg. Halten Sie täglich kurze Notizen in einem physischen Notizbuch, einem Google Doc oder einem gemeinsamen Padlet fest.

Nehmen Sie sich am Freitag einige Minuten Zeit, um Ihre Woche durchzusehen und wiederkehrende Muster oder Erkenntnisse zu erkennen. Laden Sie nach Möglichkeit Ihre PLG-Mitglieder ein, am Ende der Woche an einer gemeinsamen Reflexionsrunde teilzunehmen, um zu besprechen, wie sich das Bewusstsein für Bedürfnisse und Empathie auf die Gruppendynamik ausgewirkt hat.

Am Ende der Woche werden die Moderator:innen:

  • Die vier Komponenten der GFK in realen Interaktionen geübt haben.
  • Ihr Bewusstsein dafür geschärft haben, wie Emotionen und Bedürfnisse Kommunikation prägen.
  • Die relationale Qualität und Empathie innerhalb ihrer PLG-Teams gestärkt haben.

10Weiterführende Lektüren

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3. Weiterführende Lektüren

Um Ihr Verständnis von Gewaltfreier Kommunikation und Professionellen Lerngemeinschaften zu vertiefen, finden Sie hier einige wertvolle Ressourcen: 

📚 Bücher und Artikel

·      Nonviolent Communication: A Language of Life – Marshall B. Rosenberg 
Ein grundlegendes Werk zum Verständnis empathiebasierter Kommunikation. 

·      Learning by Doing: A Handbook for Professional Learning Communities at Work – Richard DuFour, Rebecca DuFour, et al. 
Praktische Strategien zur Entwicklung und nachhaltigen Etablierung von PLGs
·      The Power of Teacher Teams – Vivian Troen & Katherine C. Boles 
Wie Zusammenarbeit unter Lehrkräften Schule verändern kann. 


📌 Webseiten

·      The Center for Nonviolent Communication 
Bietet Artikel, Online-Kurse und internationale Schulungsressourcen zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK). 

·      AllThingsPLC  
Eine umfassende Webseite zum Aufbau und zur Unterstützung von PLGs, mit praxisnahen Beispielen aus Schulen weltweit. 

·      MindShift by KQED 
Artikel und Einblicke zu Innovationen im Bildungsbereich, einschließlich emotionaler Intelligenz und Zusammenarbeit von Lehrkräften. 

·      Edutopia 
Suchen Sie nach Themen wie „kollaborative Teams“ oder „Empathie in der Bildung“, um evidenzbasierte Strategien und Erfahrungsberichte zu finden. 


💪 Weitere Aktivitäten zur Anwendung in ihrer PLG

Weitere Aktivitäten und praxisnahe Materialien zu diesem Thema finden Sie auf der Website von LEAFAP

Diese Materialien bauen auf den in dieser Session behandelten Ideen auf und bieten zusätzliche Werkzeuge zur Unterstützung von Reflexion, Zusammenarbeit und beruflicher Weiterentwicklung innerhalb Ihrer PLG. 

11Selbstreflexion

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4. Selbstreflexion 

In den vorherigen Abschnitten haben Sie zentrale Strategien und Werkzeuge kennengelernt, um die Zusammenarbeit durch die Perspektive der Gewaltfreien Kommunikation und von Professionellen Lerngemeinschaften (PLGs) zu verbessern. Nun ist es an der Zeit, innezuhalten, zu reflektieren und diese Ideen mit Ihrem eigenen Kontext in Verbindung zu bringen.

Verwenden Sie die folgenden Fragen, um Ihre Reflexion zu leiten: 

  • Welche drei Ideen oder Werkzeuge würden Sie aus der heutigen Session hervorheben?
  • Was hat Ihr Denken über Kommunikation oder Zusammenarbeit verändert? 
  • Welche drei Fragen stellen Sie sich jetzt nach dieser Lernerfahrung? 
  • Welchen kleinen Schritt könnten Sie morgen unternehmen, um dies mit Ihrer PLG-Gruppe in die Praxis umzusetzen?